Kilbi in Vorarlberg: Kilbe, Kirchweih und Dorffeste
Es gibt Feste, die für Besucher gemacht werden. Und es gibt die Kilbi.
Ursprünglich bezeichnet die Kilbi die Kirchweih – also das Fest rund um die Weihe einer Kirche. In Vorarlberg ist daraus vielerorts weit mehr geworden: Marktstände, Musik, Vereine, Essen, Kinderprogramm und vor allem ein Tag, an dem gefühlt das halbe Dorf zusammenkommt.
Manche nennen sie Kilbi, andere Kilbe. Und je nachdem, wo man in Vorarlberg unterwegs ist, sieht das Fest ein bisschen anders aus.
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Kilbi oder Kilbe – was ist eigentlich richtig?
Beides.
Kilbi und Kilbe sind regionale Bezeichnungen für die Kirchweih. Das Wort geht auf die alemannische Bezeichnung für Kirche zurück und ist bis heute vor allem in der Schweiz und im Westen Österreichs verbreitet.
In Vorarlberg begegnen einem beide Varianten. In Bizau heißt das Fest beispielsweise Kilbe, in Lustenau und Tschagguns dagegen Kilbi.
Wer nach solchen Veranstaltungen sucht, sollte sich deshalb nicht auf eine Schreibweise versteifen. Je nach Gemeinde kann dasselbe Fest unter Kilbi, Kilbe oder einer lokalen Dialektform angekündigt werden.
Der gemeinsame Ursprung bleibt derselbe: die Kirchweih.
Vom kirchlichen Feiertag zum Dorffest
Ganz verschwunden ist der kirchliche Ursprung nicht.
Bei einigen Kilben beginnt der Tag noch heute mit einem Gottesdienst. Danach verlagert sich das Geschehen allerdings meist ziemlich schnell ins Dorfzentrum.
Dort warten je nach Ort Marktstände, Frühschoppen, Blasmusik, regionale Speisen, Vereinsstände, Fahrgeschäfte oder Kinderprogramm.
Und genau diese Mischung macht die Kilbi aus.
Sie ist Markt, Fest und Treffpunkt gleichzeitig.
Vor allem aber ist sie stark mit dem jeweiligen Ort verbunden. Vereine übernehmen Bewirtung oder Programmpunkte, lokale Betriebe machen mit und auf dem Festplatz trifft man Menschen, die man sonst vielleicht das ganze Jahr nicht gesehen hat.
Eine Kilbi ist deshalb weniger ein austauschbares Volksfest als ein Stück Dorfleben.
Dass Gäste von außerhalb willkommen sind, gehört natürlich trotzdem dazu.
Wie läuft eine Kilbi in Vorarlberg ab?
Den einen typischen Ablauf gibt es nicht.
Manche Kilben beginnen bereits am Vormittag mit Gottesdienst und Frühschoppen. Bei anderen stehen Markt und Unterhaltung stärker im Vordergrund. Große Veranstaltungen bringen zusätzlich Fahrgeschäfte und zahlreiche Verkaufsstände ins Zentrum.
Typisch sind je nach Gemeinde:
- Gottesdienst oder kirchlicher Auftakt
- Krämer- und Marktstände
- Frühschoppen und Blasmusik
- Bewirtung durch Vereine und Gastronomie
- Kinderprogramm und kleinere Fahrgeschäfte
- regionale Spezialitäten
- Musik und Unterhaltung am Nachmittag
Gerade deshalb lohnt sich vor dem Besuch ein Blick ins jeweilige Programm.
Eine kleine Kilbe im Bregenzerwald kann sich deutlich anders anfühlen als die große Luschnouar Kilbi im Rheintal.
Vier Kilbi-Feste in Vorarlberg, die du kennen solltest
Kilben gibt es in zahlreichen Vorarlberger Gemeinden. Diese vier Beispiele zeigen ziemlich gut, wie unterschiedlich sie ausfallen können.
Luschnouar Kilbi in Lustenau
Wenn eine Vorarlberger Kilbi die Dimension eines großen Volksfests erreicht, dann diese.
Die Luschnouar Kilbi findet traditionell am zweiten Sonntag im Oktober im Zentrum von Lustenau statt und gilt als größtes Volksfest Vorarlbergs.
2026 sind rund 180 Händler:innen und Gastronom:innen angekündigt. Dazu kommen Marktstände, Kulinarik und der Rummelplatz.
Und natürlich gehört zur Lustenauer Kilbi auch etwas, das für viele fast genauso wichtig ist wie das Fest selbst: Käsdönnala.
Die Kilbi zeigt damit die große Variante des Brauchs. Aus einem lokalen Kirchweihfest wird für einen Tag ein Treffpunkt weit über Lustenau hinaus.
Weitere Events in Lustenau findest du bei mivent.
Bizauer Kilbe
Ein paar Täler weiter heißt die Sache schon anders.
In Bizau wird traditionell die Bizauer beziehungsweise Büzoar Kilbe gefeiert. Sie findet am ersten Sonntag im September statt und wird stark von örtlichen Vereinen und Betrieben getragen.
Zum Fest gehören unter anderem Bewirtung, Verkaufsstände und Unterhaltung. Auch für Kinder gibt es traditionell ein eigenes Programm.
Gerade solche Kilben zeigen die andere Seite der Tradition: weniger großes Volksfest, stärker lokaler Treffpunkt.
Events in Bizau im Überblick.
Tschagguser Kilbi
Im Montafon verbindet die Tschagguser Kilbi mehrere Elemente, die typisch für das Fest sind.
2026 beginnt sie mit einem Festgottesdienst. Danach folgen Krämermarkt und Frühschoppen mit der Harmoniemusik Tschagguns, später Kinderprogramm und musikalische Unterhaltung.
Interessant für ein ganzes Traditionswochenende: 2026 findet bereits am Samstag davor der Tschagguser Alpabtrieb statt.
Wer beide Veranstaltungen besucht, erlebt damit an einem Wochenende gleich zwei unterschiedliche Seiten des regionalen Brauchtums.
Events in Tschagguns findest du bei mivent.
[INTERN VERLINKEN: Alpabtrieb in Vorarlberg – Termine, Brauch und Tipps]
Kilbe Sibratsgfäll
Noch einmal anders sieht die Kilbe in Sibratsgfäll aus.
Das traditionelle Fest zum Kirchenpatrozinium des Heiligen Michael beginnt 2026 mit einem Festgottesdienst und zieht anschließend ins Dorfzentrum weiter.
Dort treffen Marktstände auf Bewirtung durch Gastronomie und Ortsvereine, Musik und Kinderprogramm. Auch Aktionen wie Entenrennen und Seilziehen gehören zum Programm.
Gerade hier wird der ursprüngliche Zusammenhang besonders sichtbar: Kirchlicher Feiertag und Dorffest sind keine zwei getrennten Veranstaltungen, sondern gehören zusammen.
Events in Sibratsgfäll findest du bei mivent.
Wann ist Kilbi in Vorarlberg?
Einen einheitlichen Kilbi-Termin für ganz Vorarlberg gibt es nicht.
Die Feste hängen mit der jeweiligen Kirche, dem Patrozinium und lokalen Traditionen zusammen. Deshalb feiern die Gemeinden an unterschiedlichen Wochenenden.
Viele bekannte Kilben liegen im Spätsommer und Herbst.
2026 reicht die Auswahl beispielsweise von der Bizauer Kilbe Anfang September über Tschagguns Mitte September und Sibratsgfäll Ende September bis zur Luschnouar Kilbi im Oktober.
Wer mehrere besuchen möchte, kann daraus beinahe eine kleine Kilbi-Saison machen.
Wann lohnt sich ein Besuch besonders?
Das hängt davon ab, was du von einer Kilbi erwartest.
Wer den traditionellen Teil erleben möchte, sollte früh kommen. Gottesdienst und Frühschoppen gehören bei einigen Festen fest zum Programm und am Vormittag ist die Atmosphäre meist noch ruhiger.
Für Familien ist der späte Vormittag oder Nachmittag oft interessant, wenn Kinderprogramm, Marktstände und Unterhaltung gleichzeitig laufen.
Wer vor allem wegen der Stimmung kommt, erlebt größere Kilben meist rund um Mittag und am Nachmittag besonders belebt.
Und wer eine bestimmte Musikgruppe, einen Programmpunkt oder einen Umzug sehen möchte, sollte vorher den aktuellen Ablauf prüfen.
Denn Kilbi ist nicht gleich Kilbi – und genau das macht die verschiedenen Feste interessant.
Was du vor dem Besuch wissen solltest
Anreise: Rund um größere Kilben können Dorfzentren gesperrt und Parkplätze knapp sein. Bei der Luschnouar Kilbi ist 2026 beispielsweise die Anreise mit Bus und Bahn kostenlos.
Bargeld: Bei Vereins- und Marktständen ist Kartenzahlung nicht selbstverständlich. Ein paar kleine Scheine schaden deshalb nicht.
Wetter: Ein Teil des Programms findet häufig draußen statt. Bei unsicherem Wetter lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Veranstaltungsinformationen.
Zeit mitbringen: Eine Kilbi ist keine Veranstaltung, bei der man zwingend zu einer bestimmten Uhrzeit auftauchen und zwei Stunden später wieder verschwinden muss. Ein bisschen durch die Stände gehen, etwas essen, jemanden treffen und länger bleiben als geplant gehört irgendwie dazu.
Kilbi, Alpabtrieb und Herbstmärkte: Vorarlbergs traditionelle Eventsaison
Der Herbst ist in Vorarlberg voll mit Veranstaltungen, die eng mit den jeweiligen Orten verbunden sind.
Neben Kilben finden Alpabtriebe, Erntedankfeste, Märkte und andere traditionelle Veranstaltungen statt.
Gerade darin unterscheiden sie sich von vielen großen Events: Sie könnten nicht einfach an irgendeinem anderen Ort stattfinden.
Die Tschagguser Kilbi gehört zu Tschagguns. Die Büzoar Kilbe zu Bizau. Und die Luschnouar Kilbi wäre außerhalb Lustenaus schon allein wegen der Käsdönnala schwer vorstellbar.
Wer Vorarlberg nicht nur sehen, sondern ein bisschen besser kennenlernen möchte, findet bei solchen Festen deshalb einen ziemlich guten Einstieg.
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Häufige Fragen zur Kilbi in Vorarlberg
Was bedeutet Kilbi?
Kilbi beziehungsweise Kilbe ist eine regionale Bezeichnung für Kirchweih. Ursprünglich wird damit der Jahrestag der Weihe einer Kirche gefeiert. Daraus haben sich vielerorts traditionelle Dorf- und Volksfeste entwickelt.
Was ist der Unterschied zwischen Kilbi und Kilbe?
Inhaltlich gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied. Beide Wörter bezeichnen die Kirchweih beziehungsweise das daraus entstandene Fest. Welche Form verwendet wird, hängt vor allem von der lokalen Sprache und Tradition ab.
Wann finden Kilben in Vorarlberg statt?
Viele Kilben finden im Spätsommer und Herbst statt. Einen einheitlichen Termin gibt es nicht. Die Daten unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde und teilweise von Jahr zu Jahr.
Welche ist die größte Kilbi in Vorarlberg?
Die Luschnouar Kilbi in Lustenau wird offiziell als größtes Volksfest Vorarlbergs bezeichnet. 2026 sind dort rund 180 Händler:innen und Gastronom:innen angekündigt.
Kostet eine Kilbi Eintritt?
Viele klassische Kilben können kostenlos besucht werden. Essen, Getränke, Fahrgeschäfte oder einzelne Angebote werden separat bezahlt. Die genauen Bedingungen hängen von der jeweiligen Veranstaltung ab.
Ist eine Kilbi für Kinder geeignet?
Viele Kilben bieten ausdrücklich Kinderprogramm, Hüpfburgen, Spiele oder Fahrgeschäfte an. Gerade tagsüber sind sie deshalb häufig gut für Familien geeignet.
Fazit: Eine Kilbi versteht man am besten mittendrin
Man kann erklären, dass Kilbi von Kirchweih kommt.
Man kann über Gottesdienst, Krämermarkt, Frühschoppen und Vereinsstände schreiben.
Aber eigentlich versteht man eine Kilbi erst, wenn man einmal mittendrin steht.
Wenn die Musik spielt, am nächsten Stand jemand Essen ausgibt, Kinder Richtung Hüpfburg verschwinden und man auf dem Weg durch das Dorf drei Leute trifft, mit denen man eigentlich nur kurz reden wollte.
Vielleicht haben sich die Feste seit ihrer kirchlichen Entstehung stark verändert.
Eine Sache ist geblieben:
Die Kilbi bringt ein Dorf zusammen.
Welche Kilben, Dorffeste und traditionellen Veranstaltungen als Nächstes stattfinden, findest du bei mivent.
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Veröffentlicht am 30. September 2026
von Andrea


